Gasslschlitten zum sitzen unbequem

    • Gasslschlitten zum sitzen unbequem

      Guten morgen

      Ich besitze seit kurzem einen Gasslschlitten zum einspännig fahren.

      Alles klappt wunderbar (Pferd ist sicher zweispännig gefahren, einspännig noch etwas unsicher....macht sich aber ganz gut).

      Nur der Holzsitz am Schlitten ist für meinen Popo und die Kniee nicht gut. ;(
      Meine Knie (Innenseite) sind schon grün und blau!!! :S :thumbdown:

      Über Google werde ich zwecks Sitzauflage und Polsterung nicht fündig.

      Hat jemand von euch Tipps und/oder Ratschläge wie man den Gassl verschönern kann?

      Auch würde ich (mein Freund - Schlosser) gerne eine Schere/Gabel an den Schlitten befestigen, aber jeder rät mir zu anderen Maßen! 8|
      Größe: schweres Warmblut 1,60m, kräftige Figur

      Welche Länge würdet ihr wählen?
      Holz oder doch Eisen? *ratlos*
    • Polster und Sitzauflage sollten einfach zu lösen sein:

      dicker Schaumgummi und/oder dicke, mehrfach gefaltete Decke und/oder gutes, dickes Schaffell und/oder stabiler Teppichrest, etc. etc.

      Das alles leicht überlappend zuschneiden und mit einer Schnur den Sitz und Polsterung gründlich umwickeln. Dadurch verrutscht nichts, die überlappenden Ränder legen sich über die Sitzkanten - fertig!
      Sabine M.H.
      Arbeitende Ziegen und Highland Ponies
    • Ja, das würde ich auch raten: Dicke Polster.

      Der Gaßlschlitten war für Land und die Berge mit schmalen Wegen bestimmt, auch fürs bäuerlich Schlittenrennen. Deshalb immer einspännig. Die Anzen (Landen) sollten ca. 1/3 der Kufenlänge (von vorn) direkt mit einer auf der Kufe befestigten Öse eingehängt werden. Das ist ein guter Zugpunkt. Eine Bestigung weiter oben birgt das Risiko, dass sich der Schlitten auf schlechten Wegen, auf Querrinnen oder wenn man bei einem Bach ins Eis einbricht, von hinten aufstellt.

      Ein schöner originaler Schlitten, dessen Wert man durch unsachgemäße Anbauten und Veränderungen nicht ruinieren sollte.

      A. Nemitz
    • Polster: 2 alte Kopfkissenbezüge übereinander mit heu/stroh nach gewünschter Dicke ausstopfen und mit Panzertape (schwarzes aus den Baumarkt für 1 ,-€) auf dem Schlitten befestigen (geht ohne Rückstand weg), wir ersetzen bei alten Strohballen die heukordels mit kleinen Spanngurten die lockerer als die Heukordels gezogen werden, dadurch geben die Ballen etwas nach und passen sich wunderbar an die Schlitten+Menschen an = warmer hintern+gute Paßform+sehr gute Dämpfung. Wenn sonst noch wo gepolstert werden soll: Heizungsrohrisolation < 1,-€ zB für "scharfe" Ränder belastbar und Dämpfung.
      mfg Kirsten
    • RominaSimeth schrieb:

      Auch würde ich (mein Freund - Schlosser) gerne eine Schere/Gabel an den Schlitten befestigen, aber jeder rät mir zu anderen Maßen!
      Maße für die Anzen habe ich nicht, aber die Einhängung am Schlitten dürfte einfach sein. Schau mal nach, ob sich am Fuße, also auf Kufehöhe der vorderen Stützstrebe, außen, eine Öse befindet. Dort hängt man mit einer Drehung die Anze ein.
      :) Fahren ja: aber mit Verstand :)
    • Auf jeden Fall gehören zu diesem Schlitten keine "Schere" sondern einzelne "Anznen" bzw. "Landen". Die Länge ergibt sich aus der Entfernung vom Befestigungspunkt auf der Kufe bis zum Kummetscheit. Also: am besten das Pferd vor den Gaßlschlitten stellen, Abstand vom Schlitten soweit, dass die Hinterhand nicht anschlägt (auch bei bergabfahren mit Hintergeschirr!). Und dann messen

      A. Nemitz
    • Diese Schlitten sind so gebaut, dass sie über die Anzen im Kumtgeschirr mit Hinterzeug gezogen (und gelenkt) werden.
      Ich stelle dir dazu ein paar Beispielfotos (Screenschots vom Hist. Pferdeschlitten Gala, Abtenau 2015) rein.


      Bequemes Beispiel eines Sitzpolsters


      Zugpunkt an den Kufen


      In Fahrt


      Anzenbefestigung am Kumt (statt des Karabiners wurde im Original ein Holzsplindt(-dorn) verwendet)

      05.PNG
      Anzenbefestigung am Kumt - hier wohl originalgetreu

      Ich habe dir auch auf die Schnelle drei Fotos von meinen Originalanzen gemacht, auf denen du den Schlosser-(Schmiede-)aufwand deines Freundes erkennen kannst. Diese Anzen sind aus Eschenstangen 4 cm stark und 3m lang. Mit dem Haken werden sie in die Ösen seitlich an den Kufen kurz vor der vorderen Sitzstütze eingehängt. In das Loch am vorderen Ende wird ein Langring am Kumt (für Einspänner) gesteckt und mit einem Holzsplint befestigt (Beispielbilder siehe oben).



      Ich hatte bei meinem Reitgassel einmal überlegt, dieses auf Brustblattanspannung umzubauen: Modifizierte Anspannung beim Renngassel
      Dies habe ich aber sein lassen, weil so ein Schlitten bei uns eben mit Kumt gefahren gehört.
      Versuche bei deinem historischen Schlitten so wenig wie möglich zu „modifizieren und modernisieren“!!!!
      Lange Ohren sind meine Leidenschaft! Deine auch?
    • Die TE hat aber ein Sieltec-Geschirr und mag vielleicht für die 3 tage Schnee/jahr nicht extra Kummt beschaffen? Könnte Sie nicht einzelne Anzen unten am Schlitten einhängen (wie oben gezeigt) und am Pferd die Tragaugen Sieltec durch eine Öse fädeln? Länge Anze dann 2,50 m? Ferner einen kräftigen Holzstiel (Axt oder so) mit Heukordel vorn quer auf ungefähr 35 cm Höhe befestigen, ferner von diesem Querscheid 2 kleine Spanngurte rückswärts hinter die erste Sitzstrebe unten um zweiten Ansatz Zugkräfte zu haben, wär alles binnen paar handgriffen an/abbaubar und würd nix verändern. ich tät dann mittig neues Querscheid mit ungefähr 15 cm Abstand normalen Ortscheid dranhängen und versuchen ob das funzt in Kurven, sowohl Anze am Selett (wird Pferd bös gepiekt?) als auch Ortscheid zu Querscheid (Schlägt da was an?). mfg Kirsten, mit null Großpferdschlittenerfahrung....
    • Mir geht es jetzt mal um Interesse, nicht darum was ich tät oder so: Wie bekommt ein kummtangespanntes Pferd den Schlitten um die Kurve? Ortscheid und Zugstränge fallen weg, weil ja Kummt "fest" via Anze am Schlitten wirkt. Anze ist "beweglich" sowohl am Schlitten um 5 cm als auch am kummt 5 cm angebracht, dh mehr als 10 cm Schulterbewegung werd ich vermutlich auch beim Großpferd nicht haben, also zug ist klar und um die kurve? angenommen Linkskurve, Leine leitet Kurve ein, Pferd dreht sich in Anspannung maximal vorn links hintern rechts, Kummt drückt auf Anze, die stellt sich 5 cm vors kummt und piekt am Schlitten winzig in den Schnee, rechte Seite zieht sich um möglichen 10 cm länger, Kummt drückt Pferd links vors Schulterblatt, aber davon kommt das tier doch kaum um die Kurve?? Schlitten "schleudert" sozusagen quer, okay und ist extrem kurz.
      Wenn ich also Anze im tragauge enden lassen würd, dann bekäm Pferd in kurve Anze massiv in die innere seite gepiekt?, Wenn die Anze nicht im Tragauge aufhören würd sondern in einem breiten seitlichen Bogen, bekäm pferd "nur" diesen Bogen in die Rippen?
      mfg kirsten
    • Lest einmal das Forenthema, zu dem ich in meinem Beitrag oben verlinkt habe, bzw. schaut euch dort die Bilder an.

      Die Kufen von Schlitten sollten auch im Laufflächenbereich nicht gerade sondern leicht gebogen sein. So wird ein Schlitten bei Kurven eher über einen Punkt gedreht. Bei einer z.B. Linkskurve, wenn sich das Pferd also nach links wendet, wird über die rechte Anze gezogen. Diese legt sich an die rechte, aufgehende Kufe und drückt den Schlitten vorne nach links. Die linke Anze wird dabei auf Druck beansprucht und die Schlittendrehung unterstützen.

      Mit einem Kumt (siehe oben in meinem Betrag) werden keine Tragaugen (und keine Zugstränge) verwendet, sondern direkt am Kumt eingehängt.

      Mit Brustblatt und Zugsträngen, werden die Anzen in die Tragaugen eines Selettes eingelegt werden müssen. Dann beginnen die Probleme über die sich Kirsten oben Gedanken macht.
      Lange Ohren sind meine Leidenschaft! Deine auch?
    • Vielleicht lohnt sich da mal ein Ausflug nach Bad Urach, da hat es im Schloß eine Prunkschlittensammlung und in Gestüt Marbach kann man sicher auch erfahren, wie die das früher so machten.
      der Link war verrutscht drum hab ich ihn gelöscht und lieber den Text eines Besichtigers hier:


      Größte Prunkschlittensammlung, Eberhardt der 1. , Barbara Gonzaga von Mantova”
      Bewertet am 25. September 2016

      Wir haben am 30. August an der wirklich interessanten Führung um 14:30 teilgenommen.
      Auch wenn das Schlo0ß in den 60er Jahren vollständig entkernt und innen mit Stahl und Beton erneuert wurde, hat unsere Führerin durch Ihre lebhafte Schilderung uns in die Geschichte eintauchen lassen. Während der Führung gibt es öfter Gelegenheiten mal Platz zu nehmen.
      So zum Beispiel im Palmensaal, der damals Empfangshalle war, in dem die alten Wappen an den Wänden noch erhalten sind und die Besucher beeindrucken sollte.
      Kleiner Tipp, mal das Logo von Alfa Romeo anschauen und merken.
      Da wir kurz vorher in Mantova waren, hat uns das Leben und Wirken von Barbara Gonzaga aus Mantova interessiert. Viele Schautafeln stellen dies dar.
      Während der Führung haben wir hierzu auch viel über Ihre Hochzeit mit Eberhardt dem 1 von Württemberg gelernt.
      Sehr überrascht waren wir, daß das Schloß die weltweit größte Prunkschlittensammlung beherbergt.
      Es gibt sehr interessante Schlitten, einige darunter mit technischen Raffinessen.
      Weitere Glanzlichter sind der „weiße Saal“ und der „goldene Saal“ .
      Durch Fragen haben wir die übliche Führungsdauer mindestens eine halbe Stunde verlängert.
      Wir haben immer eine kompetente Antwort erhalten.
      Deshalb empfehlen wir den Besuch mit der Führung zu verknüpfen.
      Führungen finden um 14:30 statt.
      (April – Oktober) Di-So und an Feiertagen
      (November bis März) Sa, So und an Feiertage
      Auf der Internetseite werden auch kostümierte Führungen angeboten.

      tripadvisor.de/ShowUserReviews…h_Baden_Wurttemberg.html#
      Monamie

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