Con Carrozza attraverso Toscana, Autunno 2016

    • Donnerstag, 29.9.
      Ich kann es immer noch nicht glauben, aber es ist wie es ist: ich bin allein auf dem Jagd-Break, nur noch Herr Nemitz, Groom und 5 Pferde. Ich sitze hinten auf der Bank, strecke meine Beine aus und komme mir vor wie die sprichwörtliche Made im Speck: satt vom Abenteuer und rundherum zufrieden. Mittagspause machen wir am selben Rastplatz an der Merse wie gestern, heute haben wir die großen, sauberen Eimer dabei. Die kleinen sind zwar geputzt, riechen aber immer noch verdächtig nach Chemikalienhandel. Ein hier heimischer Italiener erklärt uns, daß der Mühlstein der an der Ecke der Betonfurt liegt, nicht für Oliven gedacht war. Die tiefen Rillen haben es uns vermuten lassen. Es ist der untere Stein für eine Handmühle für große Körner, Mais zum Beispiel. Ölmühlen haben eine waagrechte Achse damit das Öl abtropfen kann, dieser Mahlstein funktioniert nur mit senkrechter Achse, er bietet seinem oberen Partner den Halt und Sitz in der Mitte gleich an. Wie ein trockener Schwamm sauge ich die Atmosphäre rundum in mich ein; ich schließe die Augen, es riecht nach feuchter Erde und weichem Waldboden, nach zähem Pinienharz und dunklem Wacholder, nach süßem Pferdeschweiß und knarrendem Leder, nach blühendem Efeu und öligem Eukalyptus; in der Ferne kläffen leise Hunde. Die herausgefahrenen Steine der alten Staatsstraße lassen unsere Kutsche poltern und knarzen. Die Hufe unserer fünf fleißigen Pferde bilden einen ganz eigenen Rhythmus, stellenweise im Einklang, dann wieder getrennt – ein Eisen schleift, wer? Beim Piaste ist es, hinten links. Wir nutzen die nächste sich bietende Hofeinfahrt zum Halt und sie macht uns die Freude, groß genug zum problemlosen Wenden zu sein. Während ich die Pferde vorn ein bißchen betüddel, damit sie besser stehen bleiben, graben die Jungs das Beschlag-Zeug aus den tiefen Eingeweiden der Kutsche und fangen an, das lose Eisen neu aufzubringen. Sie suchen überrascht eine vorwitzige Zange, die sich im tiefen, trocken raschelnden Eichenlaub vor der Arbeit drücken will. Weil wir fürs Beschlagen auch diesmal nicht ausspannen, geht es flott voran und wir sind bald wieder unterwegs. Rot ist die Erde hier und der Berg führt Eisenerz; das ist seit Jahrhunderten bekannt. Von der Straße aus zweigen niedrige Stolleneingänge ins geheimnisvolle Dunkel der Felsen ab. Dann schlagen wir uns rechts ins Gebüsch und sind mindestens eine Stunde bevor es dunkel wird im Stall. Große, gemütliche Boxen hat es hier und selbst die Kutsche ist unter Dach. Übernachtet wird in einem Bauernhof, der ursprünglich Teil einer Anlage der Tempelritter war. Der mittlere Teil, eine Kirche, hat 20 Jahre auf ein neues Dach gewartet, so lange hat es bei den seitlichen Nachbarn mit hinein geregnet, bzw. ist das Wasser an den Wänden hinab geronnen. Nein, es ist nicht immer nur Freude in alten Gemäuern zu wohnen, auch wenn sie einem am Herzen liegen, mit ihren Geschichten und Erlebnissen. Liebevolle Wandmalereien von unserer heutigen Küchenchefin zieren die Wände. Ein einzelner Stein in der Mauer vom Esszimmer ist nicht verputzt. Als ich nach dem Grund frage, erklärt man mir, daß es ein Eisenerz-haltiger Stein sei, und der Mörtel darauf nicht hält. Wir garnieren unsere Pasta am Abend mit Zitronenlavendel. Ich kaue Stengel um Stengel von diesem intensiven Geruchs- und Geschmacksereignis. Krönender Abschluß ist ein selbstgemachter Likör des Hauses aus Myrten-Beeren. Zum hineinlegen …





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    • Freitag, 30.9.
      Bevor ich mich an den Frühstückstisch setze möchte ich mir das Haus nochmal von außen betrachten. Diese alten Gebäude haben viele Winkel und Ecken und von einer Kirche hab ich gestern nichts gesehen. Im Morgentau laufe ich los. Auf der gegenüberliegenden Gebäudeseite treffe ich auf Herrn Nemitz; unter einer blauen Plane verschnürt hat ein alter Wagen unser Interesse geweckt, eine nicht unelegante, leichte, dem Verfall fast preisgegebene Wagonette. Zarte Drechselarbeiten aus Holz erinnern mich an unsere Gäuwagerl. Gut erkennbar die früher satt blaue Farbe und die weiße Linierung. Nein, wir packen die ehemalige Schönheit nicht aus, obwohl, reizvoll wär es schon einen besseren Blick auf die besondere Federung werfen zu können. Ich wende mich um und sehe eine ganz normale Außenmauer, die Steine verraten zwar den wiederholten An- und Umbau, aber bis auf ein großes Eisentor gibt es keine verräterischen Spuren für eine Kirche. Ein Mauerstein trägt konzentrische Kreise und über dem Tor ist ein verrostetes Schild mit kaum zu entziffernden Buchstaben; Assekuranz lesen wir, ah, die ehemalige Feuerversicherung. Weiter ums Hauseck scheint die Sonne eben über den Hügel und die Strahlen leuchten an der Wand entlang auf gelangweilte, die Morgenmilch erwartende Katzen. Erst noch ein Stück weiter kann man den kleinen Kirchturm erkennen, der, anders als hier sonst üblich, die Glocken nicht im Freien hängen hat, sondern ein quadratischer Turm ist mit Spitzdach. Jetzt kann ich die Aufteilung erkennen, so eng beisammen und verwoben ist alles, daß man als Unwissender von einem einzigen Gebäude ausgeht. Das Frühstück erfrischt mit einer hausgemachten Aprikosen-Marmelade, der Baum steht gleich vor der Tür. Der Hausherr, ein passionierter Pferdemensch, begleitet uns im Jeep den Berg hinauf zum Stall. Die Bazilia wird die nächsten Tage bei ihm verbringen, sie ist die Anstrengung der langen Wege noch nicht so gewohnt und soll sich in den nächsten Tagen etwas erholen. Unsere fast leere Kutsche können die vier anderen auch bequem allein ziehen. Wir fahren immer noch durch Wälder, durch Bergdörfer oder daran vorbei, vor den Fenstern oft die frisch gewaschene Wäsche zum Trocknen. Ein Stilleben hat es uns besonders angetan: lange, feuerrote Chillischoten dörren neben einer Unterhose und gieren nach Aufmerksamkeit unmittelbar an der Hauptstrasse. Wir reisen an Feldern entlang, die, kaum nass geworden letzte Woche, wieder Luzerne hervorbringen. Zwei Schafherden werden aggressiv von Maremma-Hunden verteidigt und vor unserem Gefährt in Sicherheit gebracht. Die Hunde handeln eigenverantwortlich und als Team. Zum Schluß geht die Fahrt über eine 20% Gefällestrecke kilometerweit steil bergab nach Peruzzo. Die Strasse windet sich wie eine wildgewordene Schlange, der man aus Versehen auf den Schwanz getreten ist. Das Tor an der Einfahrt erkenne ich wieder. Hier mußten wir damals dem LKW ausweichen und mit dem Vorderpferd in den Graben. Das bleibt uns heute erspart und mit Hornklängen fahren wir auf den Hof. Nein, ich möchte noch nicht aussteigen, ich möchte mit zum Stall. Eine starke, grobzahnige Brombeer-Ranke versucht uns mit einem Überraschungsangriff von oben festzuhalten. Wir können knapp ausweichen, aber gebissen hat sie uns trotzdem. Pepe hat für einen kleinen, wirklich ganz kleinen Mittagsbrunch gesorgt. Es gibt vier verschiedene Wurstsorten (Salami mit Fenchel, mit Chilli, mit Trüffel und Salami halt), es gibt 3 verschiedene Käsesorten, auf einem Pecorino sind von diesen 5cm kleinen, intensiv schmeckenden Birnen halbe Früchte befestigt, was einen herrlichen Zweiklang im Gaumen auslöst, dazu Weißbrot und das feine, etwas herbere Olivenöl des Hofes. Und selbstverständlich Weißwein und Wasser, die ständigen Begleiter unserer Mahlzeiten. Wir sind schon voll, als der nächste Gang serviert wird: Pasta mit köstlicher Bolognese-Sauce. Jetzt sind wir wirklich satt, aber auch den nächsten Gang können wir nicht stehen lassen, das wäre unhöflich: weitere Wurstsorten mit warmen, weißen Bohnen in Olivenöl. Wir platzen, aber ein Salat geht sicher noch? Nein, nicht wirklich. Ein Kaffee? Beim Zauberwort kann ich nicht nein sagen, und es kommt ein Schnapsglas voll des aromatischsten Kaffeegenusses. Die schlechte Nachricht: in 4 Stunden gibt es schon wieder etwas Essbares. Ich vertrödel den restlichen Nachmittag nachdem ich mich forschend in meinen heutigen Räumlichkeiten umgesehen habe. Eine Arkade unten im Haupthaus bietet mir Zutritt zum großen Aufenthaltszimmer. Dieser Steinbogen ermöglicht nicht nur mit seinen Glastüren einen herrlichen Ausblick auf den Park, sondern ist mit den schweren, ursprünglichen Eichenholzflügeln mit allerlei Eisenwerken von innen zu verrammeln. So dient das Holztor als Schutz vor jedwedem Unbill. In diesem ehemals wohl als Remise dienendem Gemäuer ist eine gut bestückte Bar untergebracht, eine familientaugliche Küche, die einen offenen Kamin, einen Steinofen und einen regulären Herd zugleich bietet und ein angrenzendes Schlafzimmer mit Blick unter die alte Pinie, die ihre betagten, langen, knorrigen Arme weit über die Terasse streckt. Hier hat es überall antike, behäbige Möbel, die mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit ihren Gebrauch im modernen Alltag finden. Sie lassen der Phantasie freien Lauf, wenn ich mir versuche vorzustellen, was sie schon alles gesehen und erlebt haben.
      Themenwechsel: Abendessen – ich sage nur Schweinemedaillons mit Orangenpesto ...





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    • Samstag, 1.10.
      Wir verlassen Peruzzo über den alten Weg durch die Olivenhaine dieser Azienda. Wir fahren vorsichtig und langsam, die Steine der alten Straße schütteln und rütteln die Kutsche heftig durch. Es fällt auf, daß, anders als in den Weinbergen, die Korkeichen gleich mit den Olivenbäumen zusammen angebaut sind. Die grünen und schwarzen Früchte brauchen noch etwa 4 Wochen bis zur Ernte und sind ausgesprochen bäh-bitter. Auf der sich schlängelnden Landstraße von gestern geht es weiter bergab, heute ist sie nicht ganz so wild. Dann biegen wir in einen Feldweg ein und kommen nicht weit. Ein Polizeifahrzeug kommt uns entgegen und stoppt. Die Türen öffnen sich und wir halten die Luft an, haben wir schon wieder etwas übersehen? Eine freundliche Begrüßung gefolgt von einem breiten Grinsen, der Mann unserer begabten Köchin von gestern Mittag und Abend ist es und will uns nur verabschieden. Wir atmen wieder aus und die Welt erscheint gleich viel rosaroter. Kunterbunt stehen vereinzelt wilde Erbsen am Weg, heute fallen sie plötzlich auf. Es geht weiter an landwirtschaftlich genutzten Feldern und sich schälenden Eukalyptus-Bäumen vorbei. Diese Strecke sind wir letzte Woche teilweise in die andere Richtung gefahren. Überall liegen Kürbisse und Kalebassen auf dem Boden herum. Wir pausieren im gleichen Gestüt wie vor 4 Jahren und ich hab das Glück, quasi als Nachspeise, einen extra frisch gebrauten Mokka zu bekommen. Als wir anspannen wollen und die Pferde zur Kutsche führen, macht der Tczaccer sich mit einem riesigen Sprung los und bleibt verwirrt und hilflos in einer Ecke des Auslaufs, wo wir die Pferde zum Fressen angebunden hatten, stehen. Wir können uns sein seltsames Verhalten erst am Abend erklären, als wir eine deutliche Schwellung an seiner Unterbrust finden. Irgend ein fieses Insekt hat den armen Kerl gestochen. Statt die Villa BellAria mit der kniffligen Einfahrt anzusteuern, fahren wir die Jagd-Break heute direkt zum Stall, der Monty braucht beschlagen. Ausgerechnet. Wir überlegen schon beim Hinfahren wie wir das am besten händeln. Er ist ein Schisser vor dem Herrn wenn es um den Schmied geht. Weil er dann regelmäßig Panikattacken fährt, haben wir die Wahl zwischen ruhigstellen und ruhigstellen. Herr Nemitz rät zum Probieren ohne Medikation, es sei genau genommen eigentlich nur ein Nagel vorn zum Nachnieten. Der Mantas hat gerade beim Beschlagen vorn ganz schlechte Erfahrungen mit dem Monty und findet die Idee nicht so prickelnd. Wir werden einen Mittelweg versuchen, sedieren können wir immer noch. Der Monty wird vor die Berra an die Box gehängt, das Mädchen ist sein eigentliches Beruhigungsmittel. Dann reden wir ihm gut zu und fangen an ihn zu putzen und das Wunder geschieht: völlig entspannt läßt er die Prozedur über sich ergehen, und weil wir grad dabei sind, machen wir das andere Vorderbein auch noch. Inzwischen hat es sich eingenieselt, in der Tat es regnet richtig. Die örtlichen Landwirte werden es mit Erleichterung registrieren. Am Abend sehen wir uns den Film des mangels Koordination steckengebliebenen Spaten-Brauerei-Gespanns auf der Wiesn an und finden, unsere Pferde sind uns allemal lieber. Weniger schmuckbehangen machen sie ihren Job gekonnt und souverän jeden Tag und das Gelände hier mit stellenweise 20% Steigung hat es bei voll besetzter Kutsche auch in sich.





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    • Sonntag, 2.10.
      Heute ist Regen angesagt, beim ersten Blick vors Fenster ist nicht nur alles triefend naß sondern auch in dichten weißgrauen Nebel gehüllt. Pfützen stehen überall im Hof und die Steintreppe ist um mehrere Nuancen nachgedunkelt über Nacht. Ich ziehe meinen Rollkragenpulli aus den untersten Kofferregionen und eine Daunenweste - sicher ist sicher. Nach dem Frühstück mit frisch gepflückten, duftenden Rosmarinzweigen auf dem Tisch scheint die Sonne. Blöder Wetterbericht. Hurtig nochmal umziehen, unten sitzen schon alle im Landrover, fertig für den Stall. Wir haben ordentlich Strecke vor uns, 56 km müssen wir schaffen. Bald ist angespannt und nach den ersten Kilometern merken wir, daß uns hunderte Fliegen begleiten. Penetrant sitzen sie überall auf der Kutsche und den Pferden, fliegen auch uns hin und wieder an und lassen sich partout nicht vertreiben. Woher die wohl kommen? Am Stall gibt es keinen nennenswerten Misthaufen. Selbst zu mittag haben wir sie noch dabei. Mindestens genauso treu folgt uns eine große schwarze Wolke, aber dankenswerter Weise behält sie ihren Inhalt für sich. Die Sonne ist kräftig und heizt erneut richtig ein, ich bin froh, mich umgezogen zu haben. Wir sehen heute überraschend viele Eidechsen, die Wärme tanken wollen. Nur ein flinkes Huschen in meinen Augenwinkeln verrät sie. Wenn ich Glück habe, schaut noch ein Körperteil aus ihrem Versteck und ich sehe grün und braun mit bunten Punkten und Streifen, so hervorragend an die Umgebung angepaßt, daß sie zwischen den Steinen kaum zu erkennen sind. Es hat überall trocken gefallene Wassergräben. Einer heißt „Ventre di bu“, Ochsenbauch. Zu gern würde ich die dazugehörende Geschichte wissen. Wir sind heute hauptsächlich in Ackerland unterwegs, neben den obligatorischen Oliven und Weinreben findet sich aber auch Obst. Marmelade ist ein wichtiges, beliebtes und typisches Erzeugnis der Toskana. Pfirsiche und Aprikosen brauchen noch Zeit, Pflaumen und Nektarinen sehe ich selten, Äpfel, Zieräpfel und Birnen liegen ungenutzt im Strassengraben. Schade, meine Mäuse zu Hause würden sich über einen Kübel voll davon riesig freuen. Ich erkenne Maronenbäume und Kastanien, Agaven und blühende Yukka, noch mehr Pilze und Wildschwein- bzw. Stachelschweinspuren. Es hat überraschend viel aufgelassenes Ackerland, auch hier ist es offensichtlich schwierig mit der Landwirtschaft genug Geld zu verdienen und die EU lockt mit seltsamen Zuschüssen. Plötzlich entdeckt uns eine Herde Chianina. Während die Leitkuh ihre Bande in Sicherheit bringt, versucht der Bulle - ganz Arbeitsteilung - alle vor der vermeintlichen Gefahr zu schützen. Elegant und beeindruckend schaut es aus, das schwere Tier, wie es so neben uns am Zaun entlang galoppiert. In der Tat so imposant, daß auch unsere Pferde sich von der Situation gefangen nehmen lassen und schwer auf das Gebiss gehen. Die Zaunecke beendet beide Maneuver aprupt. Die Mittagspause verbringen wir in einem großen Weingut, das mir von der letzten Reise schon deswegen in Erinnerung geblieben ist, weil 2 alte, hölzerne Ochsenjochs an der Wand hängen. Beim Ausspannen saufen alle Pferde aus dem großen, steinernen Wassertrog, das entstehende Geräusch gleicht dem einer Tankstelle. Vor allem der Piaste kann sich nicht losreißen und ich muß ihn ernsthaft schimpfen. Ob er seinen Wassereimer in der Nacht auf der Suche nach Hafer umgeworfen hat? Ob er sein ganzes Salz auf einmal gefressen hat? Er verrät uns den Grund nicht, aber nach der ersten Lage Heu legen wir noch mal Wasser nach. Wir verlassen den Hof an einem haushoch aufgeschichteten, runden Heuhaufen vorbei, fachmännisch schaut das aus, sehr gekonnt. Den Ombrone überqueren wir trockenen Fußes (sprich über die Brücke der Staatsstraße), staunen über die vor allem hier wachsenden Johannisbrotbäume. Spät kommen wir in Spergolaia an, die Sonne richtet gerade ihr Bett und steht nur noch knapp über dem Horizont. Ich bekomme wieder ein wunderschönes, riesengroßes Appartement im Palazzo und teile es ergebens mit einem Ameisenvolk am Eingang. Der Wirt beim Abendessen ist so freundlich und gibt uns ein Kilo Salz mit, fast die Hälfte verteile ich drinnen und draußen vor der Tür, eine schwarzweiße Katze beobachtet interessiert mein Tun. Morgen ist Ruhetag, die Pferde haben ihn sich verdient.





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    • Montag, 3.10.
      Beim Morgengrauen (manchmal vestehe ich gut warum vom Grauen die Rede ist) höre ich im Halbschlaf eine Stimme singen. Ich denke, das ist sicher die selbe Person die letzte Woche Geige geübt hat. Warum singt sie nur immer den selben Ton? Stimmübungen? Warum überhaupt um diese Uhrzeit?? Dann fängt die Stimme das Bellen an, der Hund hat den Job vom Hahn übernommen und kündet von den ersten Sonnenstrahlen. Noch vor dem Zähneputzen gilt mein Blick den vielen Mitbewohnern an der Tür. Sie haben sich nicht wirklich vom Salz beeindrucken lassen. Ihre Autobahn hat die Richtung gewechselt, aber aktiv sind sie alle. Kein Wunder, die vor der Tür liegengebliebenen Zitronen/Grapefruit müssen ihnen vorkommen wie Schlaraffenland, ich finde die Früchte ja selbst so lecker, daß ich beschließe, eine Tasche voll mit nach Bayern zu nehmen und Marmelade zu kochen - die mit dem Rezept ohne Gelierzucker. Der Ruhetag für die Pferde ist mit Hintergrundarbeiten aller anderen verbunden. Der Mantas schmiert die Radlager der Break, jetzt wo uns der weltbeste Kutschen-Restaurateur die italienische Vokabel für Fließfett verraten hat, ist das kein Problem mehr. Einen halben Kübel von dem Zeug konnten wir auftreiben. Wir Mädels putzen derweilen die Geschirre vom Staub und Schweiß der letzten Zeit. Ein tolles Programm, extra von der Christine organisiert, wird uns am Nachmittag beschäftigen. Stichwort: Maremma-Rinder. Die Butteri vom Nationalpark arbeiten diese Woche schwer und scheiden Kälber aus der Herde, wiegen sie, nehmen Blutproben etc. Wir schauen kurz vor Mittag bei ihnen vorbei und wagen einen Blick durch die Büsche auf die selbstgebauten Corrals und Fangvorrichtungen. Sofort halten noch viel mehr Touristen und bestaunen die protestierenden, laut muhenden Rinder. Mama sucht Kind ... Ein älterer Buttero erhascht unsere Aufmerksamkeit. Vornehm angezogen im weißen, steif gebügelten Hemd sitzt er elegant auf seinem dunklen Maremmano und arbeitet in aller Ruhe mit. Einige Butteri haben der Christine einen heißen Tip gegeben, wo ihre Kollegen noch Maremma-Ochsen anspannen. Extra haben sie sich für uns Zeit genommen. Wir finden die Marruchetone Azienda Agricola glücklicherweise nach einigem Suchen und es macht richtig Freude beim Aufschirren und Einspannen der beeindruckenden Tiere zuzusehen. Meine vielen Fragen werden geduldig beantwortet und Details so oft wiederholt bis wir alles kapiert und richtig übersetzt haben. Wir verstehen, es sind ihre beiden "Juwelen" (gioiello), eigentlich wollte man uns erklären es seien "Zwillinge" (gemello). Schade, die erste Assoziation war fast sympatischer. Zu meinem Glück ist die Christine mitgekommen, sie spricht italienisch und was wir nicht erraten, schaun wir im Sprachlexikon nach, Schwerstarbeit bei Fachbegriffen und örtlichen Dialekten. Auch zu dem typischen, einachsigen Ochsenkarren gibt es Erläuterungen, weil der hier anders gebaut ist, als ich das bislang von der Toskana kenne. Offenbar bestehen beide Konstruktionsarten parallel. Als wir die beiden gutmütig wartenden, faszinierend großen Ochsen wieder in die Freiheit entlassen, wollen uns die Mitarbeiter unbedingt noch die Kühe der hier betreuten Herde zeigen. Sie fahren extra Heu in die Raufen, die Damen zeigen uns jedoch den Stinkefinger und bleiben im Olivenhain versteckt, der letzte Regen hat das Gras frisch und eiweißreich wachsen lassen. Zum Schluß werde ich in den Gebrauch des Uncino, des typischen Stabes der Butteri, eingewiesen. Mit einer Art Haken an einem Ende und einer Gabel am anderen läßt er sich vielfältig einsetzen. Ich bekomme das üblicherweise aus dem Holz von Kornelkirsche oder Goldregen selbst anzufertigende Teil in die Hand gedrückt. Unsereiner schnitzt aus dem Kornelkirschen- bzw. Hartriegelholz den Jochnagel. Der Werkstoff ist beliebt, er bricht nicht. Man bedeutet mir ich soll den Uncino behalten, einfach so. Ich fühle mich hoch geehrt und mir ist leider kaum möglich den freundlichen Lehrern auf Italienisch zu danken und zu sagen wie sehr ich mich darüber freue. Was für ein spannender Höhepunkt am Ende der Toskana-Reise!









      ps: noch ein link für Rinderfans :D


      Ende des Reiseberichts
      http://www.spiegel.de/sptv/spiegeltv/tv-doku-ueber-zivilcourage-hinschauen-statt-weglaufen-a-1149258.html
    • Danke für die schönen Fotos und den spannenden Reisebericht! Wenn man da mal zu lesen beginnt, kann man einfach nicht mehr aufhören! Im Geist sitze ich mit auf der Kutsche und kann die wunderschöne Landschaft vorbeiziehen sehen! Ich kann es kaum erwarten die Fortsetzung zu lesen!


      Opa Moritz schrieb:

      :fernwehbekomm:
      :seuftz:
      Hallo Sonja,

      ich hab schon eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeewig laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaange nicht mehr hier ins Forum geschaut! Wie geht es Dir und dem Museumsteam? Ich hoffe, Ihr seid alle gesund und munter und die Besuchermassen rennen Euch
      nur so die Museumstüre ein!
    • Oh man, irgendwie hatte mein PC ein Problem und hat damals nur die ersten beiden Tagesberichte angezeigt. Zeno, nochmal ganz lieben Dank für den tollen Reisebericht - man fühlte sich fast wie mitgereist und die beschriebenen Gerüche hatte ich quasi in der Nase :thumbsup: :D
      Suns always shine :)