Wochen-End und Sonnenschein
Das Wochenende war wie immer anstrengend und nun kann ich doch zum krönenden Abschluss und zur Entspannung mal eine kleine Kutschtour machen, ne? ?/! Ich spaziere zum Buggy und schieb den Einspänner aus dem Stall auf den Mistgang. Schon bin ich von drei Jungs umzingelt.
Was ist das denn? Was willst du jetzt? Willst du Wagen fahren? Fragen über Fragen, na, ich hol erstmal Wilma aus dem Offenstall.
Wieso nimmst du nur ein Pony mit? Warum muss das Andere hier bleiben? Ist das dann nicht traurig darüber? Und ich stelle Gegenfragen.
Wer bist du denn? Nico. In welche Klasse gehst du? In die Vierte. Jungs sind im Antworten geben echt spitze. Nur im Fragenstellen sind sie noch besser. Nun wird Hündin Nebel durchgereicht, von drei Jungs umgeben, wird sie gestreichelt und umarmt. Nico kriegt von Felix Bescheid:
Nico, nicht hinters Pony gehen, das ist gefährlich. Das scheint sofort einzuleuchten und wird nicht hinterfragt. Dann entdecken die Jungs den Buggy näher und hocken sich auch gleich oben drauf. Der schaukelt, uuuhh, hin und her. Am Buggy haben sie auch gleich fix die Peitsche entdeckt. Schööönes Spielzeug! Janne-Bo versucht sich im Peitschen knallen. Juppeih, es klappt! Großes Gejohle, aber der zweite Knall Versuch misslingt und nun ist Felix auch mal an der Reihe, findet er. Ich putze Wilma und schirre sie auf. Bevor ich Wilma den Buggy hinterschnalle, konfisziere ich noch die Peitsche. Genug geknallt. Nun noch die Fahrleinen einfädeln:
Wozu machst du die Strippen da dran? Wenn du an der Strippe ziehst, geht dann auf einer Seite die Kopfklappe auf?
Ich fall vor Lachen fast vom Stängel und erzähl was von festen Blendklappen, ohne Scharniere. Aber, das Reden kann ich mir sparen, die Jungs wollen los und haben sich das eh sowieso schon längst gedacht. Jungs eben, Klugscheißer hoch 10, schmunzel. Ich klettere auf den Bocksitz, der mir nur kurz und halbherzig streitig gemacht wird. Wilma steht und ich sortier die Leinen. Nebel steht auch in den Startlöchern und ich mach meine übliche Schweigesekunden, 21, 22, 23, bevor es losgeht. Die Jungs nörgeln na klar (Wann geht es los?) und als grad gar keiner aufpasst, geht es los.
Gejohle. Den Hang hinunter und um die Ecke. Links oder Rechts? Die Jungs wissen es nicht, sind am Kichern und so machen wir die alte Kindergarten Runde. Das ist auch grad am Einfachsten. Die Ponys standen 4 Wochen auf der Steppe und sind nicht wirklich gearbeitet worden. Durch das rumgerenne in der Walla-Pampa haben sie zwar gut Muskeln gekriegt, aber zum Kutschieren braucht es Andere. So joggt Wilma gemütlich durchs Dorf. Der Buggy ist hoch und schlingert schön in der Federung, das gefällt den Jungs. Schneller. Und Nebel wird auch angefeuert.
Darf Nebel auch mitfahren? Wieso trödelt Nebel so? Wo ist Nebel denn nun schon wieder? Nebel komm! NEBEL!!! Das Nebel die Strecke besser kennt, als Wilma sag ich den Jungs nicht, das haben sie sich bestimmt sowieso schon von alleine gedacht -

Wilma bringt das Kinder-Geplapper nicht aus dem Tritt, es ist ja positiv. Also: Fast wie Singen. Nur ich muss meine Chill-Kutschfahrt abschreiben. Ohh, anhalten, wir sind am Schweinestall.
Wieso halten wir hier an? Muss Wilma mal kacken? Kacken ist ein tolles Wort und wird mit Begeisterung herumgereicht. Ich hol nun Nebel auf den Bock. Sie ist nun 10 Jahre alt und hat im Winter ein bisschen abgebaut, humpelt manchmal etwas steif und unrund. Außerdem hat sie ihren Bob schon vorhin in die Bahn geschmissen. Also, alles Wichtige ist erledigt: Aufsteigen. Janne-Bo freut sich gleich einen Ast und vergisst die Peitsche. Die beiden Jungs hinten meckern, sie wollen auch Nebel streicheln und überhaupt:
Unfair. Ich reiche also Nebel nach hinten durch, wo sie von Nico und Felix verknuddelt wird.
Wilma läuft entspannt in ihrer Spur. Wenn ich nicht so doll acht gebe, bevorzugt sie die englische Sitten (= Linksverkehr). Aber, nun kommt ein Auto von hinten und die Jungs machen mich auch gleich lautstark darauf aufmerksam.
AUTOOO!!! Von alleine hätte ich das ja nie nich mitbekommen. Alte Leute, eben. Kriegen nix mehr mit. Felix hat die Kelle entdeckt und versucht, die aus der Verankerung zu pfriemeln.
Wozu brauchst du die Bratpfanne? Ist das die Ersatz-Peitsche? Das ist der Blinker. Ooooooh, echt? Cool! Die Kelle benutze ich eher nur in der Stadt, deswegen ist sie hinten verzurrt. Ich helfe etwas beim losmachen, wir biegen nach links in eine andere menschenleere Gegend. Felix zeigt gleich Links mit der Kelle an. Dazu sagt er:
Blink-Blink-Blink-Blink, weil, das machen die Trecker und LKWs auch immer so. Abbiegen mit Ton. Und Wilma ist ja fast ein LKW. Meinst du? Diskussionen. Inzwischen ist geradeaus angesagt und Nico kriegt die Kelle und klopft damit auf Felix Kopf herum. Das muss ich dann doch mal kurz unterbinden und mache die Jungs auf drei Rehe im Gegenlicht auf dem Mais-Stoppel-Acker aufmerksam. Dabei merkt man gleich, wer Natur interessiert ist, und wer nicht. Janne-Bo lassen die Bambis eiskalt, er flirtet schon wieder abwechselnd mit Nebel oder mit der Peitsche. So, die nächste Landesstraße kommt:
Was macht der Blinker? Isser kaputt? Hallo: Wir müssen abbiegen: Links oder rechts? Rechts – Rechts, johlt Janne. Da wohnt er nämlich.
Cool, sagt Felix, dann schmeißen wir Janne da raus.
Neeee, protestiert Janne, ich will doch noch nicht nach Hause, außerdem hab ich noch meine Sachen beim Rad. Die Jungs sind mit Diskutieren beschäftigt, Nico macht derweilen ohne Ton den Blinker an. Ich kann ein bisschen abschalten und die sonnige Abend Landschaft genießen. Aber nur kurz.
Da wohne ich, tönt Janne-Bo.
Na dann kannst du ja aussteigen, kriegt er zurück.
Heee, wir müssen Links, der Blinker schläft, auf Ansprache kommt er aber noch schnell seinen Pflichten nach. Diesmal ist es Felix und der blinkt mit Ton. Dann noch eine lange Gerade. Wilma spaziert im Schritt und Janne-Bo ist nun Stuntman und steigt während der Fahrt ein und aus. Ich krieg von Felix einen Stuppser:
Wenn Janne grade unten ist, gibst du Gas, ja? Das mache ich natürlich nicht, aber Wilma hat Lust, noch ein bisschen zu joggen und als Janne oben ist, lasse ich sie Laufen. Xesar ist wiehernd zu hören und kriegt ein drei stimmiges Jungs-Wiehern als Antwort zurück. Zu Hause angekommen, machen alle drei den Stuntman, dann wird erstmal wieder Nebel durch geknuddelt. Den Hund ham wir ja auch schon soooo lange nicht mehr gestreichelt. Für Wilma interessiert sich keine Sau: Jungs eben. Bei den Mädels ist es anders. Ich schirre aus, die Jungs trollen sich zum Fußball spielen:
Wer schafft es, den Ball über die Scheune zu schießen?
In Deckung!