| Showdown
für
Lucy Seit
4 Jahren habe ich eine Rheinisch- Westfälische Kaltblutstute.
Wie ich zu Ihr gekommen bin und überhaupt wieder zum Pferdesport
ist eine eigene Geschichte.
Zu Anfang ritt ich nur Western mit ihr, habe mich
jedoch mittlerweile für das Fahren entschieden. Und meine Lucy auch,
sie geht wesentlich lieber vor der Kutsche als unterm Sattel.
Bin mir nicht sicher, aber ich gehe davon aus sie ging auch schon vorher
vor der Kutsche.
Habe auf jeden Fall wieder von ganz vorne
angefangen mit ihr. Vom Longieren bis zum Schleppen und dann vor die
Kutsche. Bei meinen
ersten Fahrten habe ich auch gleich gemerkt das sie sehr nervenstark
ist. Und wenn ich ehrlich bin, hat sie mir letztendlich das Kutschfahren
beigebracht.
Ich habe natürlich bevor ich angespannt habe das Bronzene Fahrabzeichen
abgelegt. Doch erst mit dem fahren ohne Fahrlehrer, bekommt man die
eigentliche Routine. Ja, und so fahre ich jetzt schon etliche Zeit
mit meiner Lucy
durch die Lande und unternehme auch Kutschfahrten für meine Gemeinde.
Dieses Jahr jedoch, hab ich noch ein weiteres Kapitel
aufgeschlagen. Man hat uns (mich und Lucy) für die Bühnen entdeckt.
Ich wurde im Frühjahr angesprochen ob ich nicht Lust hätte,
mit meinem Pferde an den Freilichtfestspielen teil zu nehmen. Der Auftritt
für
sich ist nicht spektakulär, aber es war für mich und Lucy
eine neue Herausforderung.
Im Drehbuch stand: Es kommt
eine Kutsch mit dem Landvogt und seiner Tochter. Kinder springen beim
Hereinfahren
um die Kutsche, der
Kutscher schimpft,
und droht den Kindern mit der Peitsche. Die Kutsche hält,
der Landvogt steigt ab, geht zum Hausherren. Danach steigt die
Tochter ab und unterhält
sich vor der Kutsche mit dem Sohn des Hausherren. (Liebesszene).
Der Landvogt kommt zurück. Danach steigen beide wieder auf
und fahren ab.
Wir sollten an der Triebühne entlang mit der Kutsche fahren.
Hatte keine Ahnung wie Lucy sich Verhalten würde, wenn sie so
dich an soviel (unter umständen klatschenden) Leuten vorbei
muss. Und die Kinder! Ich muss mich auf Lucy konzentrieren, auf
die Kinder
und dass ich an der richtigen Stelle anhalte.
Also haben wir angefangen zu üben. Da meine Lucy wie die meisten
Pferde ein Gewohnheitstier ist, habe ich von Beginn an, mir ein Schema
angewöhnt. Ich bin zur Freilichtbühne immer den gleichen Weg
gefahren. Habe von Beginn an, an der Stelle gehalten wo ich die Fahrgäste
aufnehmen muss. Hab Sie dann auch eine Zeit stehen lassen.
Bin danach in die Kulisse gefahren und habe genau auf dem Punkt
gehalten, der mir gesagt wurde. Das Gute daran war das jedes Mal
mehr los war,
das heißt, es wurde geprobt, die Triebbühne wurden aufgestellt
es waren vereinzelt auch schon Zuschauer da.
Als ich einen Tag vor der Generalprobe nochmal da war, hatte ich
das Glück, dass auch etliche Zuschauer und Akteure auf der Triebbühne
saßen. Ich habe sie dann gebeten, wenn ich durchfahre, einmal richtig
fest zu klatschen und mit den Füßen zu stampfen.
Wir wurden so lautstark empfangen. Und meine Lucy? Hat die
Leute angeguckt als, wenn sie sagen wollte ... Ihr habt wohl
eine an der
Waffel und lief,
ohne zu zögern an Ihren Platz, wo der Landvogt absteigen
sollte, und blieb auf den Punkt ohne Kommando stehen.
Gelernt ist eben gelernt!
Noch
zu erwähnen ist,
dass ich nie alleine gefahren bin. Meine Frau hat mich als
Co`Kutscher begleitet. An den Vorstellungen habe ich einen Begleiter
dabei der auch
Kutsche fährt, sodass ich immer einen Helfer habe, der
mir in der Not zur Hand gehen kann.
Am Samstag den 10 Juli war es dann so weit! Showdown! Ich
habe mir vorgenommen ganz locker zu sein und alles so zu
machen wie
sonst
auch.
Als ich sie dann auf der Weide gerufen habe, hatte ich
scheinbar schon einen leichten Akzent!
Sie kam nicht wie sonst gleich in den Stall, sondern
blieb ein paar Meter vorher stehen und guckte mich an,
als ob
sie sagen
wollten:" heute
liegt aber was in der Luft!" Ich kann mich eben
anstrengen wie ich will, sie liest in mir wie in einem
Buch.
O. k.! Gekommen ist sie aber dann doch, lies sich auch
putzen und aufschirren. Ich merkte auch das die Routine
langsam
wieder kam,
das war gut für
uns beide.
In der Zwischenzeit kam dann auch mein Beifahrer.
Ich sagte zu ihm, er soll einfach nur zusehen ich erledige das Anspannen
eigentlich
immer alleine. Mein Sohn hält das Pferd und ich
mache sie vor der Kutsche fertig. Wir waren auch genau
im Zeitplan und welch ein Glück,
es sah nicht nach Regen aus! An der Generalprobe waren
wir bis wir dran kamen klitsche nass. Nachdem wir geschlagene
1,5
Stunden
bei
Regen und
Gewitter auf einer Stelle gestanden hatten und auf
unseren Einsatz warteten. Die ruhigste dabei war meine
Lucy.
Also konnten wir endlich Starten bis zur Freilichtbühne
sind es 20 Min. und dann müssen wir wieder auf unseren Einsatz warten.
Dort angekommen wurde uns gesagt das wir in 20 Min. unseren Auftritt
hatten.
Ich bemerkte das ich meine Leckerli vergessen hatte,
und Lucy schmatzte schon in großer Erwartung. Es stellte aber dann
doch kein so großes
Problem dar, sie hat es mir wohl verziehen. Gleich
darauf kamen auch schon unsere Fahrgäste, die sich auf Ihre Kutschfahrt
freuten. Nach einem kleinen Plausch war es dann auch so weit, ich habe
das Kommando
bekommen einzufahren. Ich habe mich dann kurzfristig
entschieden im Trab einzufahren, bis ich an der Triebbühne bin um
dann in den Schritt zu wechseln. Dabei haben wir wohl so viel Eindruck
hinterlassen das vor
lauter Staunen keiner mehr ans Applaudieren dachte.
Oder nicht trauten. Na ja immer hin saßen die Leute in der ersten
Reihe so nah und tief, dass sie Lucy zwischen den Beinen durchschauen
konnten. Lucy war
dann wohl der Meinung, dass sie wohl besser gesehen
werden könnte,
wenn sie 2 Schritte früher stehen bleiben würde,
das konnte ich dann aber doch nicht zulassen. Ich
habe sie höflich aufgefordert
die 2 Schritte noch zu gehen. Was sie auch eingesehen
hat. So kam ich doch noch zum Text, der gar
nicht im Drehbuch stand :-). Als sie
an ihrem richtigen Platz stand, hat sie die
Gelegenheit gleich noch genutzt, um ein paar lautstarke
Winde zu entladen. Zum Glück noch
vor der Liebesszene vor der Kutsche. Dies war an
der Generalprobe anders, da hatte sie sich dafür
den ruhigsten Moment ausgesucht.
Sie wissen,
wie das
ist, wenn man lachen muss und
nicht darf!!
Als ein Komparse
neben mir noch sagte: "Der Geruch wäre ja nicht
so schlimm, aber das Brennen in den Augen", konnte
ich mich kaum noch halten und nur noch schwer
verkneifen laut loszulachen!
So! bin jetzt gespannt, wie es weiter läuft
mit meinen Auftritten. Das Stück läuft noch den ganzen Juli!
Gruß
Hotzenkutscher!
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